B E R I C H T

über die Nordseetour 2007 vom 03.-10.08.07

von Fabian Schweigel


Boot: 470er
Crew: Tatiana Thomas, Steuerfrau
Fabian Schweigel, Vorschoter

Der Anreisetag 03.08.08
Nachdem wir am Vortag alles für unsere Nordseetour Erforderliche vorbereitet und zusammengesucht hatten, trailerten wir nach Bremerhaven in den WVW, um von dort aus zu starten. Dies erschien uns einfach praktischer als eineinhalb Tage allein schon dafür zu verlieren, Hamme und Lesum runterzupaddeln und nach Bremerhaven zu segeln.
In aller Ruhe bauten wir unsere Jolle auf und fuhren gegen Abend noch einen Probeschlag im Fischereihafen, um sicher zu stellen, dass zu Beginn unserer Tour auch alles Technische funktioniert. Vor dem Schlafengehen stand schlussendlich noch eine detaillierte Törnplanung auf unserer Agenda – gute Vorbereitung ist eben fast alles. Geschlafen wurde übrigens im Zelt mit Schlafsack und Isomatte.

Bremerhaven Fischereihafen – Wangerooge Sporthafen 04.08.07
Nachdem wir die eigentlich von uns favorisierte 09:00h Schleuse verpasst hatten, waren wir erst gegen 10:40h auf der Weser, allerdings mit noch voll ablaufendem Strom in der 4 Stunde. In Verbindung mit einem Westwind in der Stärke 4 Bft. legten wir gleich zu Beginn unserer Reise einen rekordverdächtigen Ritt hin: in 1 Stunde 20 Minuten von Geestemünde bis Robbennordsteert! So war die eine Stunde Verzug durch die verpasste Schleuse schon wieder mehr als reingeholt. Danach kreuzten wir in den Fedderwarder Priel bis To F10/F11, Einfahrt Priggenweg zur Kaiserbalje. Da das Mittags NW jedoch gerade mal 1 Sunde zurück lag, war erst einmal warten angesagt, d.h. Festmachen an einem Pfahl, Fotos schießen, etwas Wattwandern und vor allem das herrliche Sommerwetter genießen. Vier Stunden vor HW wagten wir schließlich die Einfahrt in den Priggenweg und zwar kreuzend fast ohne Schwert und mit aufgeholtem Ruder. Leider schlief uns der Wind in Höhe von To K4/Schreibpegel Kaiserbalje etwas ein, so dass wir erst unser Etappenziel in Hooksiel umändern wollten. Jedoch war es noch recht früh, ca. 17:30h, und so entschieden wir uns es mit dem indes wieder leicht ablaufenden Wasser doch bis Wangerooge Ostende zu wagen. Nach einer ziemlich unruhigen Fahrt durch die Blaue Balje (Wind gegen Wasser) erreichten wir am frühen Abend das Ostende, wagten dann aber nach einem längeren Blick auf die Seekarte doch noch den Sprung übers Wangerooger Inselwatt, um einen richtigen Hafen anlaufen zu können.
Wie sich das zur Ferienzeit gehört, war auf Wangerooge wieder einmal keine ordentliche Box zu bekommen. Als Jollensegler hat man jedoch das Privileg fast überall liegen zu können, ohne andere Wassersportler dabei nennenswert zu behindern und so parkten wir in Absprache mit H.E. kurzerhand quer hinter zwei Boxen. Bevor wir dann unser Zelt am herrlichen Weststrand aufbauten, trafen wir zu unserer Freude noch Clubkameraden, die Liedemanns und die Sobottkas.
Wangerooge Sporthafen – Norderney Sporthafen 05.08.07
Das Auslaufen war tidentechnisch bedingt erst für den Mittag geplant. Wir konnten daher ausschlafen und uns dann bei bestem Sommerwetter in die Düne setzen und die traumhafte Aussicht in Richtung Spiekeroog genießen. Im Hafen besuchten wir erst einmal die Liedemanns, um nach einem aktuellen Wetterbericht zu fragen. Wir erwischten sie beim Frühstücken und wurden von ihnen kurzerhand mit zum Essen eingeladen, wofür wir uns auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bedanken möchten. Danke, dass ihr uns so lieb umsorgt habt, für die nette Gesellschaft und den ausrangierten Kartensatz über alle Ostfriesischen Inseln (letzterer war für uns eine echte Unterstützung bei der Tour). Wir wünschen euch noch einen schönen Urlaub!
Bei sengender Sonne liefen wir schließlich gegen Mittag mit 3 Bft. achterlichem Wind durch die Harle in Richtung Seeseite aus - eine echte Geduldsprobe sich dümpelnd bis To H4 vor zuquälen während man zeitgleich gebraten wird, insbesondere weil wir zu diesem Zeitpunkt noch in vollem Neoprendress steckten.
Die nächsten Stunden hieß es einfach nur: „Go West“, und zwar so weit es geht. Zwischen den Gatten frischte der SO Wind dabei regelmäßig etwas auf 3-4 Bft. auf und flaute danach aber auch wieder in den Leichtwindbereich ab. Bei gleißender Sonne musste sogar unsere LSF 50+ Sonnencreme herhalten. An diesem Tage bin ich schätzungsweise 2-3 cm eingelaufen. Zum Glück zog uns mein alter, für den 470er viel zu großer, 505er Spinnaker aber zuverlässig und treu durch jeden Anflug von Flaute, so dass wir gegen 18:00h in das Seegatt zwischen Norderney und Juist liefen. Zu unserem Unmut lief der Strom indes wieder recht stark ab, so dass wir beim Durchgang durchs Gatt zunächst keinerlei nennenswerten Weg über Grund machen konnten. Schlussendlich entschieden wir uns für einen langen Schlag in Richtung Einfahrt Juister Wattfahrwasser, wodurch wir hinreichend Luvraum gewannen, um direkt Norderney Sporthafen bei inzwischen vollen 4 Bft. in Rauschefahrt anlaufen zu können.
Im völlig überfüllten Hafen freuten wir uns einmal mehr nur mit einer Jolle zu reisen – einen Liegeplatz findet man so nämlich immer. Schnell wurde festgemacht, bezahlt und Zelt aufgebaut, danach ging es zum Abendessen ins Hafenrestaurant, wo wir den Tag ausklingen ließen.

Norderney Sporthafen – Juist Hafen 06.08.07
Eigentlich sollte uns unsere nächste Etappe ans Ostende von Borkum führen. Allerdings fußten meine Berechnungen auf mehreren völlig fehlgehenden Wetterprognosen mit der Vorhersage: SO 4. Tatsächlich hatten wir SW 3 abnehmend auf 1, so dass wir überraschend die volle Strecke hätten kreuzen müssen. In der geplanten Zeit wäre dies jedoch völlig unmöglich gewesen. Um also auf Nummer sicher zu gehen und es bereits recht spät war, entscheiden wir Platt vor dem Laken nach Juist abzulaufen. Da der Wind unterdessen fast völlig eingeschlafen war, bereitete ich den Spi vor, um etwas mehr Fahrt vor dem Wind zu haben. Als ich jedoch gerade fertig wurde und der Spi stand, kam der Wind innerhalb von 2 Minuten mit 5-6 Bft. aus NW zurück! Schnell barg ich den Spi, während Tati das Schiff vorbildlich auf Kurs hielt. Danach stand uns nur noch ein kurzer Kreuzgang nach Juist bevor, dann liefen wir dort ein – nach Norderney der absolute Kulturschock oder „Zu Gast auf der Großbaustelle“…
Keine Stege, kein Hafenmeister, keine zugänglichen Sanitäranlagen; ein Hafen, dem man am besten die Hecklaterne zeigt, kurzum ein echter Traum aus idyllischen Spuntwänden und schwerem Baugerät. Nachdem alle unsere Ideen das Boot an der Spuntwand festzumachen fehlgeschlagen waren, konnte ich zu unserem zufällig einen alten Insulaner auftreiben, der uns den brillianten Insidertipp gab uns einfach vor dem Hafen trocken fallen zu lassen. Nach dem Aufbauen unseres Zeltes entschieden wir uns noch für einen kleinen Stadtbummel, welchen mit einem zünftigen Pizzeriabesuch endete. Auf dem Rückweg zum Hafen stellten wir fest, dass der NW Wind aufgefrischt hatte, der erst Vorbote des herannahenden Tiefdruckgebietes und so fiel in der Nacht auch der erste Regen au dieser Tour. Unser 16 Jahre altes, geflicktes Zelt hielt jedoch glücklicherweise noch so gerade eben stand.

Juist Hafen – Langeoog Sporthafen 07.08.07
Nachdem wir das in einer Persenning gesammelte Regenwasser der letzten Nacht zum Zähneputzen zweckentfremdet hatten, hieß es irgendwie das trocken gefallene Boot bei NW ins Wasser zu bekommen. Für diesen Fall führten wir aber immer einen Fender mit uns, auf dem man eine Jolle prima ziehen kann. Dazu bekamen wir von einen netten Mann noch tatkräftige Unterstützung beim Ziehen, sodass das Schiff gut zu bewegen war. An dieser Stelle einen herzlichen Dank für diesen selbstlosen Einsatz in dem mehr als knietiefen, schwarzen, und klebrigen Schlick.
Ohne Schwert und mit aufgeholtem Ruder führte uns unsere Etappe ab ca. 12.30h bei Niedrigwasser durch das 30-40cm tiefe Wasser des Juister Wattfahrwassers – eine einmalige Erfahrung, insbesondere, weil wir dabei auch nicht gerade langsam unterwegs waren.
Die weitere Fahrt verlief unspektakulär an diesem durchweg grauen Tag.
In der folgenden Nach zog sodann die Kaltfront durch und bescherte uns Böen in voller Sturmstärke und Dauerregen. Zum Glück konnten wir gegen kleines Entgelt auf einem 17 Fuss Kielkreuzer der Langeooger Segelschule unterkommen; unser treues Zelt hätte wohl den Geist aufgegeben.

Eingeweht auf Langeoog 08.08.07 – 09.08.07
An Auslaufen war nicht zu denken. Alles in allem eine recht langweilige Zeit: in der Hafengaststätte essen, Wetterberichte hören, und nasse Klamotten mit dem Fön im Duschraum trocknen – unser Lebensinhalt auf Langeoog.

Die Königsetappe (Langeoog Sporthafen – Bremerhaven Doppelschleuse) 10.08.07
Am vorherigen Nachmittag hatten wir eine detaillierte Törnplanung für den Gewaltritt nach Bremerhaven ausgearbeitet. Mit einer halben Stunde Verzug verließen wir 3,5 Stunden vor Hochwasser Langeoog um 07:00h den Hafen doch bereits beim Passieren der Wattseite der Otzumer Balje war die halbe Stunde schon wieder reingeholt; was uns bei strammen 5 Bft. aus N zunächst noch nicht so ganz überraschte. Auf den Halbwindgängen fuhren wir dauerhaft weit über 10 kt und erreichten 4,5 Stunden vor der kalkulierten Zeit Schillighörn. Auf einem spitzen Raumkurs kreuzten wir die Jade und liefen quer über den Hohen Weg, durch den Fedderwarder Priel, und dann durchs Wremer Loch ins Fedderwarder Fahrwasser. Als wir das Containerterminal erreichten, war gerade Hochwasser in Bremerhaven. Um 12:57h also keine 6 Stunden nach dem Verlassen des Langeooger Hafens liefen wir schließlich in den Vorhafen zur Doppelschleuse!!! ACHTUNG: KEIN SEEMANNSGARN!!!
Nach einer ruhigen Fahrt durch den Fischereihafen splippten wir wieder in Wulsdorf, verpackten das Schiff und fuhren überglücklich und stolz zurück zum SCH.


Osterholz-Scharmbeck, den 16.08.07
Tatiana Thomas
Fabian Schweigel

Bilder hier zu