Weniger Freizeitlärm im Naturschutzgebiet
Vereine mussten Kröten schlucken - der Landkreis auch

Von unserem Redakteur
Bernhard Komesker

 

LANDKREIS. Der Landkreis Osterholz hat mit den Bootsfahrern und Anglern sowie mit den Nutzern des Segelflugplatzes einen Kompromiss erzielt, was deren Aktivitäten im Naturschutzgroßprojekt Hammeniederung angeht. Das teilten die Verwaltungsbeamten Richard Eckermann und Johannes Kleine-Büning jetzt dem Ausschuss für Umweltplanung und Bauwesen mit.Drei Sonderkonzepte, die vom so genannten Pflege- und Entwicklungsplan des GR-Gebiets abweichen, legen die Nutzungseinschränkungen minutiös fest. Die Papiere werden nun Bund und Land vorgelegt, so dass das Verfahren für den Erlass einer Naturschutzverordnung beginnen kann. Baudezernent Eckermann erwartet, dass die Bestimmungen am Ende ungefähr den Sonderkonzepten entsprechen werden. Beide Seiten mussten dabei Kröten schlucken.Dörte Gedat (Grüne) stimmte am Ende als einzige mit Nein. Die Zugeständnisse gingen zu weit, meinte sie. Zudem griffen die Einschränkungen zu spät - teils erst nach 2020. Kritik kam auch vom Bremer Landesverband Motorbootsport sowie vom Bremer Motoryachtclub. Ihre Sprecher Uwe Schöpfer und Werner Falldorf stießen sich an den Privilegien für die gewerbliche Bootsfahrt mit der "Hanseat" und den Torfkähnen. Sie fühlen sich bei den Verhandlungen übergangen, die der Landkreis mit den Vereinen geführt hatte, und drohten jetzt mit Klage.Davon unbeeindruckt billigte die Ausschussmehrheit den Verwaltungsvorschlag im Paket. Den Fischereivereinen kommt der Landkreis an den Ufern der Hamme-Alt-arme und der Beek ein wenig entgegen, der Kirchdammgraben aber wird weitgehend zur Tabuzone erklärt. Mancherorts wurde die Saison eingeschränkt oder die Zahl der angelnden Personen; die Fischerei vom Boot aus unterliegt besonders strengen Vorschriften. "Für uns sind diese Vereine wichtige Kooperationspartner, da sie Knowhow und Hegemaßnahmen einbringen und gegen illegale Befischung sind", sagte Umweltfachmann Johannes Kleine-Büning. Darum werde dazu ein Runder Tisch eingerichtet. Der frühere Konflikt mit dem Berufsfischer Koch-Bodes sei nunmehr ausgeräumt.Umkämpft war das Sonderkonzept für den motorisierten Bootssport. So wurden die Übergangsfristen von 2006 auf 2010 und von 2015 auf 2020 verlängert. "Die Vereine sollen sich auf die Veränderungen einstellen können", so Kleine-Büning. Bundesweit einmalig sei wohl, dass vereinsangehörige Bootsfahrer, die vor 1950 geboren wurden, auch nach 2020 keine weitere Einschränkung ihres Freizeitspaßes zu befürchten haben. Die Boote dürfen maximal zehn Meter lang sein - Vereinsboote, wenn sie 2005 registriert waren, ausnahmsweise auch zwölf. Mit Ausnahme von Events wie der Hammenacht ruht der Verkehr von 23 bis 6 Uhr. Zudem haben die Skipper ausgehandelt, dass sie ihre Fahrt hammeaufwärts erst ab Melchers Hütte auf fünf Stundenkilometer drosseln müssen und nicht schon ab Tietjens Hütte. Das motorisierte Begleitboot des Rudervereins ist davon ausgenommen und darf bis zur Eisenbahnbrücke. Für Torfkahnfahrten wird ein Genehmigungsverfahren installiert. Bei Partylärm wird die Lizenz entzogen. Auf der Beek gelten auch ohne Motor strenge Auflagen: Paddeln und Rudern außerhalb fachkundiger Führungen geht hier von Mitte Juli bis Mitte Oktober. Für den Luftsport gilt beim Überfliegen des GR-Gebiets schon heute eine Mindesthöhe von 600 Metern. Am Segelflugplatz Osterholz soll es nicht mehr als 100 Motorschlepps (ab 2010) sowie 3000 Flugbewegungen jährlich geben. "Wir wollen weniger Lärm dort, aber die Platzrunden kann man ja nicht verlegen", so Kleine-Büning.