K I E L E R     W O C H E

 

2009

 

In der Flying Dutchman Klasse

 

vom 25.06.2009 bis 28.06.2009

 

 

Anreise und 25.06.2009

Am Mittwochabend, den 24.06.2009, setzte ich mich um 22:30h in Bremen in den Zug in Richtung Kiel. Mein Steuermann war bereits am Morgen mit dem Boot nach Kiel vorgefahren und war so nett meine Reisetasche mitzunehmen, sodass sich die Menge des zu schleppenden Gepäcks in einem erträglichen Rahmen hielt.

Lediglich mit einem Rucksack und einem Klappfahrrad – Danke an Ingo für die selbstlose Leihgabe – bewaffnet, ging es dann mit dem Zug von Bremen nach Hamburg und von dort aus weiter nach Kiel, Ankunft: 02:00. Nachdem ich unzählige Male im Zug damit gekämpft hatte nicht einzuschlafen und den drohenden Bewusstseinsverlust nur durch geistiges mitsingen der Musik von meinem MP3 Player abwenden konnte, stand mir nun auch noch die Fahrt mit den Klapprad bevor.

Die zu fahrende Strecke von Kiel Hbf zum Olympiazentrum in Schilksee hatte ich mir zuvor auf der Onlinekarte angesehen. Zunächst war alles ganz einfach angesichts unmissverständlicher Beschilderung. Doch zunehmend wurde es schwieriger den Weg zu finden, da die beschilderten Straßen leider nicht mit den Rad befahrbar waren. Als meine Fahrt schließlich am Tor eines militärischen Sperrgebietes endete, beschloss ich mir die Rufnummer eines Taxiunternehmens, die ich in einer Telefonzelle fand, ins Handy einzuspeichern, nur für den Fall dass ich nie ankomme. Gegen 04:00 morgens war es dann soweit. Ich hatte es zwar bis zum Flughafen Kiel geschafft, wollte jedoch nicht noch mehr Schlafzeit opfern, um auf denkenswürdigen Abwegen das Kieler Umland per Rad zu erkunden. Also fuhr ich das letzte Stück mit dem Taxi.

Am ersten Wettfahrtmorgen gingen mein Steuermann Christian und ich erst einmal zum Wetterbriefing ins Festzelt. Die von Dipl. Met. Hilger Erdmann vom Deutschen Wetterdienst gemachte Vorhersage für den Morgen und für den Tag lautete im Kern: Warmfronteinfluss, also bedeckt, Regen und Starkwind. Das einzige, was daran stimmte, war der Name des netten Wetteronkels.

Bei lockerer Bewölkung, recht viel Sonne und 4 Windstärken liefen wir leicht verspätet aus. Zwar kamen wir noch gerade rechtzeitig zum Start, aber etwa 30 Sekunden nach Startschluss flog uns der Ringsplint vom Fußblock weg. Blitzreparatur: Christian steckte den Bolzen einfach wieder an seinen Platz und umwickelte ihn so oft mit einem Stück Leine, dass er seinen Bestimmungsort nicht mehr verlassen konnte. Gut gelöst, jedoch leider auch zeitaufwändig. Unzufrieden wegen des schlechten Starts beendeten wir die 1. Wettfahrt als 22. von 30. Eingedenk der Anzahl an maximal 8 ausgeschriebenen Wettfahrten nahmen wir es jedoch leicht und schrieben die 1. Wettfahrt als Streichergebnis ab. Das 2. Rennen verlief für uns deutlich besser. An dessen Ende stand ein respektabler 14. Platz über den wir uns riesig freuten.

Am Abend war ich recht Müde aber schlussendlich doch überglücklich, dass mich mein Steuermann zum Gang ins Partyzelt genötigt hatte – in weiser Voraussicht, dass dort United Four spielen wird. Ich persönlich hatte diese Band zuvor noch nie gesehen, muss aber nunmehr sagen, dass ich an dem Abend die genialste musikalische Live-Performance meines Lebens gesehen habe. Danach ging es ab ins Bett.

26.06.2009

Am nächsten Morgen weckte uns Starkwind nachdem sich in der vergangenen Nach die Warmfront doch noch erbarmt hatte über Kiel hinwegzuziehen. Bei stehenden 7 Windstärken und Böen bis 38 Knoten wurden alle Wettfahrten, außer auf Bahn Alpha (Seebahn), für den kompletten Tag abgesagt. Drei Topteams aus dem FD Feld nutzen den Tag für ein kurzes Training, wobei sich Hans und Hauke (FD GER 33) den Mast absegelten. Nach einer Kenterung bei über 7 Windstärken hatte sich ihr Mast in den Schlick gebohrt. Kommt dann über 2 Meter brechende Welle hinzu, so gibt der Klügere in der Regel nach. Alle drei Teams berichteten später einhellig, dass die Wellen so hoch waren, dass ein FD im Wellental bis zur Saling verschwand. Nachdem Hans und Hauke mit halb gesetztem Großsegel wieder im Olympiahafen einliefen, begann Hans sofort damit den gebrochenen und gesplitterten Kohlemast abzubauen und sämtliche Strecker zu entfernen. Zu unserer Verwunderung war bei ihm nicht der geringst Anflug von Ärger zu erkennen, nur ein bestimmtes: „Ich fahr jetzt nach Hause nach Hamburg und kleb den Mast einfach zusammen. Morgen früh bin ich wieder da.“ Ich möchte sagen, dass wohl, mit Ausnahme von Hans selber, keiner in unserem Feld so richtig daran geglaubt hat.

Den Rest des Tages verbrachten Christian und ich damit mit dem Bus nach Kiel zu fahren und die Partymeilen anzuschlendern. Dem Wind ging dabei keineswegs die Puste aus. Selbst in Kiel in der Innenstadt konnte man sich in starken Böen noch gegen den Wind lehnen!

 

27.06.2009

Am Morgen hatten wir immer noch 5 bis 6 Windstärken, hofften aber nicht noch einen Tag an Land hocken zu müssen. Nach dem Wetterbriefing stand fest: Es wird gesegelt, lediglich mit einer Stunde Startverschiebung. An dieser Stelle sein erwähnt, dass der erste bereits morgens vollständig aufgebaute FD, der von Hans war – mit geklebtem Mast.

Auf dem Wasser merkten wir, dass der Wind gar nicht das Schlimmste war, vielmehr in der noch immer locker 1,5 Meter hohen Welle auf Raumkursen zu fahren. In der ersten Wettfahrt geschah es dann: Unter Spinnaker kenterten wir vor dem Wind innerhalb von Sekundenbruchteilen nach Luv während wir gerade ein Welle absurften. Der Spibaum steckte zuerst ins Wasser ein und wurde nach hinten gegen die Wante gedrückt, wobei das Boot weiterfuhr – wie gesagt, der Klügere gibt nach. Zumindest schaffte ich es aufs Schwert, sodass Christian im Wasser in Ruhe den Spi einziehen konnte, was verblüffend einfach ging – Silikonspray sei dank! Danach beendeten wir die Wettfahrt als 15.

Während der zweiten Wettfahrt des Tages frischte der Wind auf stehende 6 in Böen 7 Bft. auf. Dennoch war klar, dass wir weitermachten. Einfach sicher durchfahren und die Punkte für die Zielankunft mitnehmen. Schließlich waren wir froh nach Hause zu dürfen aber auch überglücklich über unsere vor allem körperliche Höchstleistung an diesem Tage.

Die mir bekannte Bilanz des Tages im FD Feld: 1 Frontalkollision mit einer OK Jolle, 2 gebrochene Masten, einer davon leider erst 3 Stunden alt, 1 gerissenes Großfall, 1 gebrochener Spibaum, 1 gerissenes Unterliek am Großsegel, 1 halbgesunkenes Schiff, einige Aufgaben und unzählige Kenterungen.

Am Ende des Tages wurde unser Mut und Durchhaltevermögen belohnt, mit dem nunmehr 11. Platz im Gesamtklassement!

 

28.06.2009

Am letzten Tag fanden wir uns in der bisher eher ungewohnten Position wieder unsere Gesamtplatzierung verteidigen zu müssen, statt anzugreifen. Mit einem 15. und einem 13. Platz schlossen wir die Kieler Woche ab. Besonders bewährt hat sich unsere neue Leichtwindgenua, die eine, sorry, Sauhöhe bei gleichbleibend hoher Geschwindigkeit fährt. Unsere Geschwindigkeit an der Kreuz war teilweise ziemlich überlegen, auch gegenüber besseren Crews. Hier möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass wir es auf einem Kreuzgang sogar einmalig schafften deutlich auf die Ungarn (FD HUN 70) aufzuholen, die schon zig mal Welt- und Europameister waren und schlussendlich auch die Kieler Woche souverän gewannen.

Unterm Strich wurden wir 12. von 30 gemeldeten Teilnehmern. Ich denke, das ist ein großer Erfolg bei der größten Segelveranstaltung der Welt.

 

 

Fabian Schweigel

Osterholz-Schambeck, den 30.06.2009

 

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