Liebe wassersportbegeisterte Segler, Motorbootler und Schwimmer!

 

Unsere nächsten besuchten Häfen:

Nach Breskens geht es weiter über: Oostende, Dunkerque, Boulogne sur Mer, Dieppe, Le Havre, Cherbourg, St. Peter Port auf Guernsey

 

Navigation:

Das Absetzten der  Kurse bereitet keine besonderen Probleme. Es ist aber jedes Mal eine ordentliche Rechnerei. Die Frage: Wann legen wir ab, um die optimale Strömung unter Berücksichtigung von welchen Koeffizienten der Tiden (Spring- oder Nipptiden) auszunutzen??  Die Kleinigkeiten von UTC auf Sommerzeit oder lokalen Zeitenangaben im Reeds wollen auch nicht unberücksichtigt bleiben. Manche „gedachten“ Abkürzungen klappen nicht wegen manchmal sehr unterschiedlicher Meeresbodenbeschaffenheiten und/oder vorgelagerter Untiefen. Wind gegen Strom um Calais wollten wir auch vermeiden und und …….Es macht zunehmend mehr Spaß. Die ersten Unsicherheiten sind verschwunden und wir genießen die flotten Fahrten. Zum Auslaufen aus St. Peter Port muss wieder ordentlich gerechnet werden. Hier muss auch noch die Wassertiefe über dem Süll passen. Wir entscheiden, am Abend aus dem Hafenbecken in den Vorhafen zu verlegen und an einem Schwimmponton die letzte Nacht auf Guernsey zu verbringen.

 

Anmerkung:

Unser Wunschdenken: Wenigstens etwas gleichbleibendes Wetter mit „Wind zum Segeln“. Bisher entweder viel zu viel Wind (Abwarten in Dieppe bei Wind bis 9 BFT aus West) oder aber genau von vorn. Aus Dieppe nach Le Havre mit 5 – 6 BFT auch genau von vorn, später als hoher Anlieger, aber alles gesegelt mit Wasser über Luken und Deckel, bei kurzer hackiger  See. Auf dem Weg nach Le Havre war die Ansage 3 – 4 Bft aus NNO und es ist fast S mit fast 1 Bft. Immer haben wir das Motto der Engländer vor Augen: Pick the Tide!! Hierzu werden wir öfter aufgefordert, auch wenn es bedeutet den Motor zu nutzen. Ist hier halt so bei einem Tidenhub von 9 mtr. und mehr und diesen Strömungsgeschwindigkeiten!

 

Auszüge aus dem Bord - Logbuch:

29.04.2014: 30 NM gewollt unter Motor. Bei Sichtweiten von knapp unter 1 Meile bei dichtestem Nieselregen nicht das unbedingte Vergnügen. (Alkohol ist tabu aber ein schöner Grog hätte sicher gutgetan)

03.05.2014: bei 6 Bft und raumen Wind (und korrekt gerechneter Tide) 45 NM in knapp 6 Stunden.

05.05.2014: allerfeinstes Segeln, hoch am Wind bei 2 bis 3  BFT, alles auf einem Bug und bei Sonnenschein!!!!

13.05.2014: durch eigene „Paddeligkeit“ beim ausreffen einen schicken Riss im Vorliek des Groß, unterhalb vom Cunningham produziert. Ganz schön blöd. Konnte selbst von mir genäht und getapt werden. Soll jetzt mindestens 5 Jahre halten J

17.05.2014: Unsere Strecke mit dem größten Respekt, durch das Alderney Race. Hier sind zur Zeit der Springtide bis zu 9 KN Strom. Passt nur richtig gut wenn wir auch in der gleichen Richtung, am besten noch mit fast identischem Wind unterwegs sind. Wir hatten gerade 2 BFT und das war zum Segeln einfach zu wenig! Schon komisch Kursvorhaltewinkel von bis 20°, fast keine Fahrt durch Wasser (zu wenig für eine ausreichende Ruderwirkung) und Drehungen durch die Wasserwirbel von manchmal 30°. Zum ersten Mal Freude über den wenigen Wind!

Gesamt zurückgelegte Meilen: 761  davon 363 unter Segeln

 

Auszüge aus Brigittes Bordtagebuch:

01.05.2014: Dicker Nebel als Alois aufstand- „Das wird heute nichts, Tide ist bald weg und wir werden dann im Schlamm sitzen und nicht aus dem Loch kommen. Eine Karenz von  1 ½  Stunden bleiben uns.“ Steht der Kerl doch jede halbe Stunde auf und legt sich wieder in die Koje und pennt!! Plötzlich ein zarter Sonnenstrahl Alois hoch und wir legen einen Schnellstart hin. Rekord: ¼ Stunde und wir haben abgelegt einschließlich aller Seevorbereitungen. Wie Alois es liebt: Frühstück unterwegs!

02.05.2014: Hafentag und mein Geburtstag in Dunkerque. Regen aufs Kajütdach, nochmal wohlig umdrehen, es ist 0600Uhr. Alois hat einen Geburtstagstisch gedeckt mit Kerze, Piccolo und schön eingepackten Geschenken. Die waren zwar nicht von ihm, tut aber nichts zur Sache. Ein rundum schöner Tag mit Anruf um Anruf, Mails und SMS (vielen Dank euch allen!!) und Verwöhnungen.

03.05.2014: Heute um die Ecke bei Calais nach Boulogne sur Mer. Heftigster Schwell bei der Hafenausfahrt und eine kleine Privatregatta mit einem Holländer. Beste Sicht und wir sahen die Kreidefelsen bei Englands SW Spitze. Der Fähr– und  Schiffsverkehr hielt sich in Grenzen, lediglich kleine Overfalls sorgten eine knappe Stunde lang für Turbolenzen. In der Stadt wurde bei „Orange Frankreich“ (Telefongesellschaft) das Problem mit der Prepaidkarte gelöst und Alois hat wieder Internetzugang. Im Hafen liegt ein weiteres deutsches Boot: „Weltumsegler“, die seit 1 ½ Jahren dabei sind, loszukommen. Hier liegen sie seit 2 Wochen: „Heute ist zu wenig Wind, morgen kommt er zu sehr von vorne…… und Probleme mit der Maschine sind auch noch zu lösen.

05.05.2014: Alle drei deutschen Boote liefen aus: fast eine Geschwaderfahrt, alle haben vorerst dasselbe Ziel, das Mittelmeer. Da ist die Beatrice (Alois kannte Hubert schon aus dem Mittelmeerskipperforum), die Lili (Weltumsegler) und wir. Nach 9 Stunden erreichten wir Dieppe bei fast glattem Wasser. Die Beatrice war schon fest (sie hatte das letzte Stück motort und unterwegs  „ein wenig“  (smile) mitgeschoben, wir bis auf 1,5 Stunden alles gesegelt)  und halfen uns beim Anlegen direkt neben ihnen. 3 Stunden später kam auch die Lili. Sie hatten einen Segelschaden (Fock im Topwirbel ausgerissen Motorprobleme……. Es scheint das „Normale“ zu sein bei Ihnen, dabei sind sie ganz nett. Aber, ob das was wird mit Round the World? Essen im Cockpit bei Fisch und Baguette und viel Spaß und Lachen bei einer Unterhaltung über den „Gartenzaun“ der deutschen Crews.

06.05. bis 13.05. 2014: Der Wetterbericht verheißt nichts gutes und wir richten uns auf einige Hafentage ein. Eine „ungewöhnliche“ Wetterlage, alles aus dem westlichen Quadranten und der Tiefdruckkeil genau in den englischen Kanal. Das Ergebnis ist Wind bis zu 8Bft mit prognostizierten Wellenhöhen von 3 bis 4 Metern. Also alles genau von vorn oder auch ggvv (Ganz genau von vorn). MACHT NICHTS! Wir finden eine lebhafte Stadt mit schmalen Gassen, ein Schloss mit schöner Aussicht und die Alabaster Küste. Faszinierende Eindrücke, besonders für Alois, in einer Kirche für auf See gebliebene Seeleute aus dem Krieg und der Neuzeit. In Schlichtheit und Ausdruck gibt die Kirche Zuversicht, es wird dort aufgezeigt: Es passiert euch (den Seeleuten) nichts. Ich habe ein gutes Auge auf euch!

In der ganzen Stadt gibt es überall die feinsten Köstlichkeiten. Ein Paradies der Speisen. Fisch frisch vom Markt, direkt vom Fischer. Wir machen uns  in Butter gebratene Seezunge mit Zucchini und Kartoffeln. Geschmacksnerven, was wollt ihr mehr? Eine geschichtsträchtige Stadt, wir erleben die Feierlichkeiten am 8. Mai als Feiertag zur Befreiung vom deutschen Faschismus. Einige Bauten des Atlantikwalls verschwinden so langsam an der Bruchkante der Küste im Meer. Gut so! Brigitte findet mit dem Skipper der Beatrice einen alten Kampfgenossen aus den 68ern.

13./14.05.2014: Alle trippeln mit den Füßen, seit Montag nimmt der Wind ab (die Welle ist aber noch ca. 2Mtr.) und heute soll es weitergehen. Wir haben schon die Schlechtwetterklamotten an und wieder passiert es: 8 uniformierte und bewaffnete Zollbeamte auf dem Steg. Kontrolle!!! Alle Schapps auf und zu und fragten außerordentlich freundlich nach Drogen und ob wir Menschen schmuggeln!!?? Über unseren „Weinkeller“ mussten sie schmunzeln, den wir freiwillig zeigten mit der Bemerkung, das sei eben ein französisches Schiff. Mit einer halben Stunde Verzögerung ging es los. Reff ins Groß und in die Genua und ab die Post. Ganz schön nass, aber schnell über Grund, aber keine Strecke Richtung Le Havre. Aus geplanten 45NM wurden es durch das Kreuzen schließlich 72 NM.

17.05.2014: Bestes? Motorwetter für die Reise durch das Alderney Race. Alois ist nicht zufrieden, aber die Sonne am Himmel ist perfekt, und der Strom lässt uns Richtung Guernsey tanzen. Unterwegs einen PAN PAN Anruf mitbekommen, ganz in der Nähe bei uns. Es rief ein Boot mit Namen „Jeanne Roese“ mit einer grauseligen Funkform, ohne Position, ohne Angabe des Grunds. Wir konnten nichts erkennen, ob und wenn was an Hilfe nötig wäre. Der Anruf wurde dann nach einiger Zeit von der Coastguard angenommen, und das Boot bekam Anweisungen und jede Menge Fragen.  Im Vorhafen müssen wir an den Warteponton, um auf fast Hochwasser zu warten, werden als das soweit ist, über das Süll in den Hafen zu unserem Liegeplatz geleitet, toll organisiert der Hafen.

18. bis 21. 05.2014: Hafentage in St. Peter Port. Ein Ort, eine Insel zum Urlaubmachen und wir haben schönstes Wetter!  Eine imposante Burg aus dem 13. Jahrhundert besichtigen wir ausgiebig und sind faszinieret von den gewaltigen Tidenhüben. Boote und Schiffe fallen mit Stützen trocken, ein riesiges Mooringfeld mit einheimischen Booten. Steile Treppen durch die alten Stadtteile nach oben, viele  gut erhaltene, alte oder restaurierte Gebäude. Ein Busfahrer sagt: Kein Mensch auf Guernsey ist arm. Alle werden unterstützt und auf Wunsch gibt es ein Grundstück für die Einheimischen. Der Hintergrund ist, man möchte die Menschen unbedingt auf der Insel als Bewohner behalten. Eine unglaublich hohe Dichte von Consultingfirmen und  Banken fällt uns auf. Es scheint jedoch auch eine Menge „Briefkastenfirmen“ zu geben. Auf einem Spaziergang entdeckten wir die aufgebockte „Jeanne Roese“. Nun sahen wir was passiert war: das Motorboot war kräftig aufgebrummt. Schwere Schäden an der Bugsektion und seitlich am Kiel. Dar war bestimmt jede Menge Wasser im Boot! Unsere Vermutung ist ein Auflaufen im Bereich der Ansteuerung zum Little Russel, viele spitze Steine (ähnlich der schwedischen Schären) hohe Geschwindigkeit und den Stromversatz nicht berücksichtigt! War der Autopilot Schuld? Wir wissen es nicht genau, aber wir denken drüber nach. Denn so etwas wollen wir nicht und steuern schwierige Stellen oder solche, von denen wir das annehmen, von Hand und machen Peilungen um den Versatz zu kontrollieren..

 

Bis zum nächsten Mal:

Morgen früh geht es weiter nach Roscoff / Bloscon (ihr könnt schon mal auf der Karte suchen!)

 

von der Zora Brigitte und Alois

 

  Bilder dazu!

 

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