B E R I C H T

über die

Travemünder Woche in der Flying Dutchman Klasse 2007
vom 25.-29.07.07

von

Fabian Schweigel


Die Anreise, 25.07.07
Auf dem Weg von Süddeutschland nach Travemünde holte mich mein Steuermann Christian in Osterholz-Scharmbeck am frühen Nachmittag ab. Gemeinsam ging es sodann in Richtung Ostsee.
In Travemüde angekommen, bestaunte ich zunächst einmal die Ausmaße einer derartigen Großveranstaltung. Fest steht jedenfalls, dass die Travemünder Woche neben dem seglerischen Programm ganz vornehmlich eine riesige Vergnügungsmeile für alle Arten von unternehmungslustigem Fußvolk ist. Das Event hat zwar mehr Volksfestcharakter unter dem Motto Segeln als einen echten sportlich Touch, dennoch wirkte der Mix aus zahlreichen Besuchern in Bierlaune und maritimem Brimborium irgendwie gastlich und einladend. Weniger einladend hingegen stellte sich die riesige Matschgrube dar, durch welche alle Boote geschoben werden mussten, um in den Jollenpark gelangen zu können. Nachdem uns ein Ordner unseren reservierten Wohnmobilstellplatz für stolze 60 € (natürlich zusätzlich zur eigentlichen Meldegebühr) zugewiesen hatte, schoben wir unser Boot in Ermangelung alternativer Zugangsmöglichkeiten durch die Moddergrube und bauten es anschließend auf. Die Matschproblematik scheint mit der TW untrennbar verbunden zu sein und so erschien sogar noch die Presse, um einige Fotos vom Matsch zu schießen. Auf freundliche Bitte eines Reporters hin, schob ich unser Boot nochmals an den Rand des Matsches – und wenn durch die Berichterstattung im nächsten Jahr wenigstens eine kleine Chance auf Matschfreiheit besteht, so hat war mein Engagement jedenfalls für einen guten Zweck.
Zum Abend hin deckten wir uns noch mit gesponserten Müsliriegeln aus dem Race Office ein, schauten auf welcher Regattabahn die FDs morgen segeln sollten und blieben schlussendlich an der Bratwurstbude vor dem Jollenpark kleben, wo wir das allabendliche, von der Viermastbark Passat ausgehende Feuerwerk genossen, welches durch eine Lasershow und dramatische Klänge aus zusammen geschnittenen Filmmusiken begleitet wurde. Rein von der Dramatik her hätte man wenigstens einen guten Wagner spielen können; dies wäre allerdings wohl gegenüber den ausländischen Teilnehmern politisch nicht ganz korrekt gewesen ?.

Der erste Wettfahrttag 26.07.07
Endlich ab aufs Wasser. Nach der Steuermannsbesprechung zusammen mit den 505ern hieß es Auslaufen in Richtung der ca. 5 sm entfernten Regattabahn Charlie. Der erste Start war für 11:30h angesetzt und erfolgte auch pünktlich. Insgesamt verliefen die Wettfahrten 1-3 am ersten Tag sehr spannend, da annähernd gleichwertige Mannschaften angereist waren, so dass Führungswechsel ständig vorkamen. Zwar reichte es für uns zu zweiten und dritten Plätzen, mit meiner Leitung insbesondere in W1 war ich aber dennoch noch nicht zufrieden.

Der zweite Wettfahrttag 27.07.07
Bereits die Nacht ließ nichts guten erahnen, als morgens um 03:00h Christian aufstehen musste, um die Markise seines Wohnmobils einzukurbeln, weil es draußen mit vollen Sturm blies und dazu wie aus Eimern goss.
Aufgrund von zu viel Wind wurde zu meinem großen Unmut die Startbereitschaft sukzessive weiter nach hinten verschoben, bis schließlich um 15:00h alle Wettfahrten auf Charlie für den 27.07. abgesagt wurden. Wenigstens gab uns dies jedoch die Möglichkeit durch kleine technische Veränderungen unser Boot zu optimieren, soweit dies zwischen den ausgewachsenen Regenschauern möglich war. Zudem konnte man sich die Zeit damit vertreiben andere Bootsklassen beim Auslaufen zu beobachten, was bei 7-8 Bft. mal mehr und auch mal weniger gut klappte. Das genialste Manöver fuhr eine Melges 24 aus der Schweiz. Aus einem spontanen Geltungsbedürfnis heraus konnten es sich die Schweizer nicht nehmen lassen beim Ablegen der Genaker zu ziehen, welcher sodann von einer Böe erfasst wurde und das Schiff derart unkontrolliert auf die Seite drückte, dass das gesamte Großsegel durch einen an Land stehenden Flaggenmast aufgerissen wurde. Diese Kurzsichtigkeit kostete die Schweizer die TW Teilnahme, da auch das Ersatzgroß bereits kaputt war.
Gegen Abend vertrieben Christian und ich uns noch auf der Partymeile unsere Zeit. Des Nachts begab ich mich noch einmal an den Strand, um für mich meine nicht zufrieden stellende Leitung aus W1 aufzuarbeiten. Eine gute halbe Stunde lang ging ich zwei wichtige Bewegungsabläufe immer wieder im Kopf durch, bis ich meinte sie nun verinnerlicht zu haben. Dann war auch für mich Schlafenszeit.

Der dritte Wettfahrttag 28.07.07
Heute standen die Wettfahrten W4 – W6 auf dem Programm. Viel zu sagen gibt es nicht, lediglich dass sich mein nächtlicher Strandausflug vom Vorabend mehr als bezahlt gemacht hatte. Manövertechnisch klappte einfach alles bei uns. Nun fehlte uns zu unserer Zufriedenheit nur noch ein Sieg.

Der vierte Wettfahrttag und Rückreisetag 29.07.07
W7 gewannen wir durch einen erstaunlich souveränen Start-Ziel Sieg, nachdem ein 170° Winddreher auf dem letzten Leegang noch mal für viel Spannung gesorgt hatte– Endlich unser erster Sieg!! Das Geheimnis unserer Überlegenheit: bei der Segelwahl hoch gepokert und gewonnen; und wenngleich wir uns in W8 mit einem zweiten Platz begnügen mussten, trennten uns stets nur wenige Meter vom Ersten.
Insgesamt belegten wir einen hervorragend erarbeiteten 2. Platz in der Gesamtwertung der TW mit dem wirklich keiner von uns gerechnet hatte. Nach einer vorgezogenen FD-Sondersiegerehrung im kleinen Kreise fuhren wir nach dem Verpacken des Bootes glücklich und stolz nach Hause.


Osterholz-Scharmbeck, den 12.08.07
Fabian Schweigel