R E G A T T A B E R I C H T

 

über das

 

Easter Criterium 2007 in Varazze, Italien

 

von

 

Fabian Schweigel

 

 

Die Vorbereitung

Das ist doch ne Schnappsidee! Das war das erste, was ich mir dachte, als mich mein Steuermann Christian in Brüssel anrief, um mich, zugegeben völlig unerwartet, zu fragen, ob ich 2 Wochen später mit ihm in Italien Regattasegeln wollte.

Aus einer fixen Idee wurde Ernst, und so waren bereits nach zwei weiteren Tagen der Ryanairbilligflug nach Mailand gebucht und die grobe Reiseplanung abgeschlossen. An dieser Stelle und in diesem Zusammenhang möchte ich noch Tatiana Thomas erwähnen, die mir in dankenswerter Hilfsbereitschaft leihweise ihre Regattaweste zur Verfügung gestellt hat.

 

Die Anreise

Am 04.04.07 war es dann soweit. 02:30h in meinem Apartment in Brüssel: duschen, fertigmachen, packen und dabei irgendwie noch Frühstücken - ich war übrigens, wenngleich ich einen wirklich langen Arbeitstag hinter mir hatte, erst gar nicht schlafen gegangen, um die Gefahr des Verschlafens zu vermeiden. Doch auch nach 16,5 Stunden auf den Beinen überwog eindeutig das Reisefiber.

Gegen 04:00h ab zum Taxi, mit dem Taxi zum Bahnhof, vom Bahnhof um 04:30h mit dem Bus zum Fughafen, Abflug um 08:00, 09:00 in Mailand. Jetzt war Warten angesagt und zwar bis 16:15 – dann holte mich Christian in Mailand am Flughafen ab. Schließlich kamen wir auch noch in den Feierabendverkehr um Mailand, so dass wir schlussendlich erst gegen 19:30 im beschaulichen Varazze eintrafen.

Nach dem schnellen Aufbauen des Bootes, genehmigten wir uns noch eine Pizza und ein Eis, fielen danach aber alsbald in die Betten (im VW-Bus) – ich jedenfalls war nun 27 Stunden wach gewesen.

 

Der erste Wettfahrttag

Nach der morgendlichen Registrierung der Boote bei der Regattaleitung, wurde der Start zur ersten Wettfahrt (W1) für den Mittag angesetzt. Wir waren als eines der ersten Boote auf dem Wasser- zum Glück! Wir hatten nämlich den ablandigen Wind in der Stärke gehörig unterschätzt und uns insoweit für die Leichtwindgenua entschieden. Da das bei 5 Bft. jedoch ebenso wenig empfehlenswert wie segelbar ist, fuhren wir kurzerhand zurück in der Hafen, wechselten die Genua und verpassten dadurch knapp den Start – auf den Gesamttag gesehen, war der Segelwechsel aber die perfekte Entscheidung. Durch den starken Wind galt es beim Segeln dauernd auf gekenterte Boote zu achten – erstaunlich viele an der Zahl. Bis auf eine kurze Kenterung, bei der wir allerdings durch schnelles Aufrichten insgesamt nicht mehr als etwa 40 Sekunden verloren, blieben wir von Kenterungen oder Schäden ganz verschont.

Bei W2 hatten wir dann 4 Bft, W3 endete schließlich mit nur noch 3 Bft.

Um 20:30 trafen sich alle Segler im Nachbarort Cogoletto beim dort ansässigen Segelclub zum gemeinsamen gesponserten Abendessen mit typisch italienischen Spezialitäten. Nach dem Essen führte unser Weg zum Auto selbstverständlich an der nächsten Gelateria vorbei.

 

 

Der zweite Wettfahrttag

Kein Wind! Wirklich gar nichts! Dennoch wurden wir von der Wettfahrtleitung mehr der minder aufs Wasser getrieben, von dem netten Onkel mit der Trillerpfeife – über den indes schon das ganze Regattafeld lachte. Nach mehr als zweistündigem Rumdümpeln an der Startlinie bei knapp 30°C Lufttemperatur, ließen die Verantwortlichen, als schließlich ein Hauch von Wind einsetzte, zu allem Überfluss auch noch den FJs den Vortritt am Start. Letztendlich bekamen wir FDs auch nur eine Wettfahrt zu Stande.

Bemerkenswert an dieser W4 war lediglich, dass genau zu dem Zeitpunkt, als fast das gesamte Feld, einschließlich uns, zum ersten Mal das Leefaß nahm, der Wind auf Null abfiel, die Welle von ca. 40 cm aber natürlich weiterlief. Ein riesiges Geschrei um Vorfahrt und Nichtausweichenkönnen entflammte. Wir allerdings konnten die allgemeine Verwirrung zu unseren Gunsten nutzen.

Am Abend war wieder Essen angesagt, diesmal in der Mehrzweckhalle in Cogoletto zusammen mit allen Organisatoren und Veranstaltern der Regatta. Das Essen war wieder herausragend. Irgendwann jedoch, als der DJ meinte italienische Schlager spielen zu müssen, kam der große culture clash. Während die deutschen Segler dem ganzen Szenario kaum etwas Animierendes abgewinnen konnten, tanzten die Italiener, sozusagen die Brasilianer Europas, irgendetwas zwischen Freestyle und Bauernpolka. Schlussendlich gelang es ihnen auf wundersame Weise sogar uns Deutsche für das Theater zu gewinnen, jedenfalls für volle 5 Minuten. Alles in allem aber eine gelungene Regattaparty.

 

Der dritte Wettfahrttag und die Rückreise

In der Hoffnung auf etwas Wind saßen wir deutschen Segler alle zusammen, sonnten uns, genossen das Wetter, bis…………ja, richtig, der nette Onkel mit der Trillerpfeife zum Appell bließ. Am Ende konnten doch noch W5 und W6 bei leichten Winden um 1-2 Bft. recht ordentlich gesegelt werden.

Zurück im Hafen verpackten Christian und ich schnellstmöglich unser Material, da mein Flug ab Mailand erreicht werden musste. Insofern konnten wir auch nur den Beginn der Siegerehrung miterleben, brachen dann aber alsbald auf.

Als wir vor Mailand in einen Stau gerieten, wurde ich leicht nervös. Als Grund für den Stau erwies sich ein umgestürzter Klein-LKW. Von uns gab es allerdings nur Kopfschütteln darüber, dass die italienische Polizei die Unfallstelle mit brennenden Fackeln abgesperrt hatte, wirklich! Und wenn dann Benzin ausläuft, dann ist das eben so. Na, ja, andere Länder, andere Sitten.

Den Check-in in Mailand erreichte ich schlussendlich 2 Minuten vor Schließung; jedenfalls hat’s noch gepasst.

Als nächste Regatta steht für uns die Internationale Deutsche Meisterschaft am Ammersee in Bayern vom 16.-20.05.07 an.

 

 

OHZ, den 06.05.07