Die Wangerooge Tour
Vom 5. bis 14. Juli haben wir eine abenteuerliche und interessante Reise von der Hamme Osterholz-Scharmbeck zur ostfriesischen Insel Wangerooge gewagt. Ein durchschnittlicher Seebär des norddeutschen Wassersportraumes würde diese Tour nicht als etwas besonderes bezeichnen, zu beachten ist jedoch, dass wir dieses Abenteuer mit einer offenen Jolle (Typ FD) in Angriff genommen haben (Das bedeutet: Kein Herd, kein Klo, keine Schlafplätze, kein Motor demnach stehen mehr Geschwindigkeit, Pinkeln in den Trockenanzug, kalter Dosenfraß und Schlafmangel auf der Tagesordnung).
Tag 1: Montag der 5. Juli (Muskelaufbautraining)
Die ersten 20 der 120 km langen Tour haben wir paddelnd von Osterholz-Scharmbeck bis zum Grohner Yachthafen bewältigt. Von 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr haben wir dies mit einer Abendbrotpause zwischendurch gemeistert. Obwohl es keine Mastlegevorrichtung am FD gibt, haben wir es geschafft den Mast in nur wenigen Minuten zu legen und zu stellen geschafft, so dass wir einige Stücke der Strecke segelnd zurück legen konnten. Nach letzten Vorbereitungen sind wir gegen 24.00 Uhr in die Schlafsäcke auf dem Boot gekrochen.
Tag 2: Dienstag der 6. Juli ( 100 Kilometer an einem Tag!)
Temperatur: 5°C , Zeit 3.30 Uhr. Wir freuen uns wieder aufstehen zu dürfen und uns aus der unbequemen Lage befreien zu können. Als uns um 7.00 Uhr die Nachtwache des Yachthafens erblickt, erfolgt der Kommentar: „ Ey Jungs, ihr seid echt hart.“ Wir wussten: Das ist erst der Anfang. Nach 4-stündiger Vorbereitung sind wir gegen 8.00 Uhr ausgelaufen. Wir arbeiteten uns bei nordwestlichen Winden der Stärke 3-4 zunächst bis Nordenham vor. Dort drehte der Wind zeitweise auf West, so dass wir angenehme Spinnakermomente genießen konnten. Bei kippender Tide nahm der Wind bei Bremerhafen plötzlich enorm ab und drehte wieder auf Nordwest. Somit hatten wir starke Probleme gegen die stärker werdende auflaufende Strömung anzukommen. Als wir schließlich doch an der Kolumbuskaje vorbeikamen nahm der Wind innerhalb einer Stunde auf 4 Windstärken zu, die sich bald zu 5 entwickelten. In Erwartung unser Ziel Wangerooge doch noch erreichen zu können, kreuzten wir durch den dichten Verkehr der Außenweser, was teilweise eine haarige Angelegenheit war (auf Grußdistanz mit einem mittleren Containerfrachter sowie stampfen durch die noch brechende Heckwelle der MS Helgoland, war alles geplant und im grünen Bereich). So gegen 20.00 Uhr standen wir circa 2 Meilen südlich vor Leuchtturm Roter Sand. Bei Wind gegen Strom mit 5 Windstärken aus Nordwest baute sich eine 1,5 Meter hohe Welle auf. Selbstverständlich trugen wir ohnmachtsichere Rettungswesten und waren mit langen Schwimmleinen und daran befestigten Schnappschäkeln optimalst gesichert. Sicherheit geht eben vor. Da uns das Tageslicht eine Stunde eher verließ als erwartet, zogen wir es vor am Ostende der Insel zu übernachten. Zu diesem Zeitpunkt waren wir seit Abfahrt Vegesack 14 Stunden unterwegs. Wir gesellten uns zu einer trockengefallenen Yacht, klopften an und nachdem wir anscheinend einen sehr aufgelösten Eindruck auf die Besatzung gemacht hatten, zeigte diese sich sehr hilfsbreit. Sie halfen uns das Boot auf Watt zu schaffen und versorgten uns mit einem 3 Gänge Menü (Kraftbrühe, Kinderschokolade und Käsebrote). Vielen Dank noch mal an dieser Stelle.
Tag 3: Mittwoch der 7. Juli ( Sonnenbrand ,Segeln und saugeiles Wetter)
Nach einer sternklaren Nacht unter freiem Himmel nahmen wir bei warmem Sonnenscheinwetter und einer optimalen Erholungspause den neuen Segeltag um 14.00 Uhr in Angriff. Der Wind hatte inzwischen auf Nordost gedreht und wehte zunächst mit 4 Windstärken. „Bei Windstärke 4“ fährt es sich richtig gut. Als nervig erwiesen sich lediglich die Kreuzseen, die durch die noch vorherrschende Nordwestdünung und die Nordostwindwelle entstanden. Selbstverständlich führte unser Weg zunächst durch die Blaue Balje außen um die Insel herum und durch das Harle Riff in Richtung Wangerooger Hafen. Auf dem Weg durch die Harle nahm der Wind spontan zu, so dass wir kurz von dem Hafen 6 Windstärken hatten. Im Hafen angekommen organisierten wir uns einen Liegeplatz im Wangerooger Yachthafen. Der gastfreundliche und überaus hilfsbereite Stegwart des WYC bot uns an die folgende Nacht in einer Holzbude zu verbringen, welche zuvor als Würstchenbude beim vergangenen Hafenfest diente.
Tag 4: Donnerstag der 8. Juli (Scheiße wir kommen hier nicht weg)
In der vergangenen Nacht wehte es mit 7 Windstärken aus Nordost. Am Morgen waren es noch immer 6, so dass wir die Insel nicht verlassen konnten. Gegen Abend jedoch, nahm der Wind vorerst ab, was wir nutzten, um eine Runde zu segeln. Kurz bevor wir das Boot im Hafen wieder nachtklar gemacht hatten, fegte eine extreme Böenwalze eines Gewitters mit Sturmböen aus Südwest über den Hafen hinweg. Um die anstehende Nacht aber trocken und warm zu verbringen, gönnten wir uns den Luxus einer Herberge, welche wir unser Gepäck schleppend und in voller Segelmontur klittschnass erreichten. So wohnten wir in einem Sechspersonenzimmer mit zwei Personen und waren fortan die Attraktion des Hauses.

Tag 5: Freitag der 9. Juli (Der Inselkoller macht sich breit)

Langsam ging uns das Wetter echt auf den Sack. Als wir morgens aufstanden zeigte das Wetter ein anderes Extrem. Flaute und glühende Hitze. Na Toll! Dann bleiben wir eben noch einen Tag hier. Die aussichtslose Lage anerkennend, schlichen wir uns zurück in unser Herbergszimmer, das wir um eine weitere Nacht verlängerten. Gegen 13.00 erst merkwürdige Anzeichen psychischer Unausgeglichenheit. Nachdem wir unsere Signaltröte gespielt und uns flache Witze erzählt haben, diagnostizieren wir : Das ist der Inselkoller. Als Gegengift beschlossen wir abends noch eine Runde zu segeln, da der Wind wieder ein wenig aufgefrischt hatte. Doch im Hafen wartete ein Lichtblick auf uns. Ein Sonnenstrahl am Horizont. Unweit unserer Jolle hat Familie John die Zelte aufgeschlagen. Nach freudiger Begrüßung und kurzem Bericht unseres Abenteuers haben wir es geschafft Ingo John zu überzeugen uns beim Segeln zu photographieren, was bei 4 bis 5 Windstärken recht nette Bilder ergab. Wieder in der Herberge planten wir akribisch den nächsten Tag durch, denn die Wettervorhersage machte uns neuen Mut (morgens West 3, später 4-5 Windstärken aus Nordwest). Ideal !! So legten wir uns frohen Mutes schlafen.
Tag 6: Samstag der 10. Juli (Wir dachten es könnte nicht schlimmer kommen und es kam schlimmer)
Danke lieber DWD ! Entgegen der Vorhersage hatten wir unwesentlich mehr Wind. Nur 6 Windstärken aus Südwest. Also blieben noch ein wenig auf unserer geliebten Insel und vertrieben uns den Tag mit Optisegeln (WYC). Man kann sagen, dass viel Wind war, wenn man mit 70 Kg Gewicht im Hafen (mit Abdeckung) ins Gleiten kommt. Netterweise bot man uns an die folgende Nacht im Clubhaus des WYC zu verbringen.
Tag 7-8: Sonntag und Montag der 11.und 12. Juli (Hoffnung....ein Fremdwort)

Herzlich untergebracht, an Bord der Familie John, verbrachten wir diese Tage mit Dingen

wie :

Gesellschaftsspielen, Spaziergängen (sofern es das Wetter zuließ, Stichwort Dauerregen), Schlafen, ganz viel Essen (Danke Anja !!!), Einkaufen im Inseldorf, mutlos DP07 und Jade Traffic hören, Geschichten erzählen und erzählen lassen, über das Phänomen des Meeresleuchtens staunen und Krebse fangen, um sie dann wieder frei zu lassen.

 

Am Montag Abend, die Rettung. Wir riefen Freunde in Osterholz an und überredeten sie uns spontan abzuholen, bevor wir Wurzeln schlagen (vom Wind an die Insel gefesselt Stichwort Spitzenböen bis mittlerweile 34 Knoten).

Tag 9: Dienstag der 13. Juli (Heimat wir kommen)
Diesen Tag haben wir wieder mit Anja, Ingo und Vanessa verbracht,. Bis abends unsere Freunde, welche Auto und Trailer in Carolinensiel ließen, mit der Fähre auf Wangerooge eintrafen. Wie auch die letzten Nächte schliefen wir, nun aber zum letzten Mal, Im Clubhaus des WYC.
Tag 10: Mittwoch der 14. Juli (Und Tschüß......)
Unsere Tour schlossen wir auf eigenem Kiel ab, indem wir beim meist schwachen Winden nach Carolienensiel zum Festland übersetzten, dort das Boot verpackten und uns schnellstmöglich aus dem Staub machten.

Und so verbrachten wir 8 Tage auf einer schönen Insel, wunderschön, wenn wir nicht mit jedem Grashalm per Du wären. Dabei lernten wir jedoch tolle Menschen kennen.

DANKE
Familie John : Ihr seid krass korrrrekt man (lieb und gastfreundlich)
Der Stegwart des WYC : Ohne sie wären wir erfroren
Die Vogelschützerin der Insel Wangerooge : Ohne ihre Toleranz wären wir arm dran gewesen und Kampf den Igeln
Die Besatzung der Aluyacht vom Ostende : Ihr ward die Retter in der Not
Der Inhaber der Herberge : War echt ein fairer Preis
Sowie allen anderen, die uns hilfreich zur Seite standen

Ach ja !

 

Wir, das sind................: Fabian Schweigel(mitte) und Philip Salomon(links)