BERICHT

 

über die

 

Rote-Sand-Regatta 2007 am 12.05.2007

 

von

 

Fabian Schweigel

 

 

Morgens gegen 08:00 trafen wir am Frühstückstisch des Clubrestaurants des WYC Bremerhaven als Crew zusammen.

 

CREW:

Thomas Röhrig (1. Steuermann, Vorschiff)

Wolfgang Gundel (2. Steuermann)

Fabian Schweigel (Trimmer, Vorschiff)

Thomas Meinken (Vorschiff)

Rebecca Röhrig (Vorschiff)

 

Nach dem Frühstück gingen wir an Bord der Aldebaran und zogen uns wetterfest an, da, Wind und Schauerböen vorhergesagt waren; überdies war es zu diesem Zeitpunkt durchgängig am Regnen. Also genau das Wetter, was man braucht, um sich für eine 7-8 stündige Regatta zu motivieren.

 

An der Doppelschleuse wurde dem Regattafeld nur die kleine Kammer überlassen, weil zeitgleich ein Hochseeschlepper in der Großen geschleust wurde, mit der Folge, dass nicht alle Regattayachten im selben Schleusengang geschleust werden konnten. So hieß es für einige Schiffe: Rückwärtsgang und warten. Zu diesem erlesenen Kreis gehörten auch wir, so dass uns noch Zeit blieb, auf die Regatta anzustoßen. Natürlich gab es auch einen großzügigen Schluck für Neptun, den es natürlich milde zu stimmen galt.

Endlich in der Schleuse angekommen rief uns die Regattaleitung über Funk, die bisweilen noch gar nicht mitbekommen hatte, dass einige Schiffe des Regattafeldes im ersten Schleusengang fehlten. Auf Grund des Umstandes, dass sich nicht nur wir, sondern nahezu aller Schiffe unserer Gruppe noch in der Schleusenkammer befanden, wurde der erste Start von 11:00h auf 11:15h verschoben, so dass wir die Möglichkeit bekamen rechtzeitig am Start zu erscheinen.

 

Nach einem sehr guten Start wurde uns langsam bewusst, welches Speedpotential in der Arpege steckt, soweit man einen sauberen Anlieger unter Vollzeug segeln kann. So gelang es uns durch perfekte taktische Arbeit beispielsweise die weitaus schnellere Granada 31 Roxanne in Lee zu überholen.

Dennoch hatte die Regatta durchaus ihre taktischen Tücken und gestaltete sich sehr anspruchsvoll, insbesondere durch die starkwindbringenden Schauerböen, welche uns zum Wechsel auf Reff I in Groß und Genua zwangen. Anschließend galt es wiederum den richtigen Zeitpunkt zum Ausreffen abzupassen, um nicht unnötig Speed zu verschenken.

Als wir schließlich den LT Hoheweg querab hatten bemerkten wir verwundert, dass uns noch keine einzige der großen Yachten aus den späteren Starts eingeholt hatte. Jedenfalls stand schon jetzt fest, dass wir deutlich schneller als im Vorjahr unterwegs waren, wo wir wesentlich schneller geschluckt wurden. Zudem waren wir als erster unserer Gruppe gestartet und hatten bis jetzt diesen Platz auch behauptet, selbst gegen unseren direkten und nach YS um 3 Punkte schnelleren Gruppenrivalen die Aglaia, eine Beneteau First 305 CB.

 

Die erste Verfolgeryacht aus den späteren Starts, die an uns regelrecht vorbeirauschte, war der imposante Cruiserracer Xenia, eine X-46 (siehe Fotos: in der Schleuse und nach der Regatta im Hafen), die später auch mit einem deutlichen Abstand zum Zweitschnellsten first ship home und IMS Gruppen- und Gesamtsieger wurde.

 

Erstaunlich lange ließ das Verfolgerfeld auf sich warten und so lagen wir bei der Turmrundung faktisch noch immer an Gesamtposition 12 von über 40 Schiffen.

 

Plötzlich, wir befanden uns gerade auf dem Weg zur zweiten Wendemarke To 13, wurde der Wind signifikant weniger bis er schließlich völlig einschlief. Jedenfalls war die Windstärke so gering, dass nicht einmal mehr die Segel stehen wollten was die Kreuz rauf zur 13 unmöglich machte. Nun war Treiben angesagt, doch die Ursache der recht seltsamen Situation war doch offenkundig – eine lokale Gewitterzelle mit einem ausgeprägten Böenkragen.

Als die ersten Böen (vermutlich obere 7 bis untere 8 Bft.) einsetzten, konnten wir noch gerade rechtzeitig die Genua wegrollen und dann öffnete der Himmel alle Schleusen: Starkregen, Hagel und schlechteste Sicht forderten uns. Es hagelte und regnete so stark auf, dass das sich über der Wasseroberfläche ein ca 50 cm hoher Dunstschleier bildete, der die Außenweser in ein gespenstisches Grau hüllte.

Doch so schnell der Spuk kam, verschwand er auch wieder, so dass wir nunmehr endlich die 13 runden konnten.

 

Mit halbem Wind ging es bei zunächst ca 3-4 Bft. zurück ins Weserfahrwasser. Doch von hinten griff uns die Aglaia mit ihrem Spi an (siehe Fotos: rot-blauer Spi voraus) – eine klare Aufforderung an uns mit unserm Wunderspi (der genaue Schnitt ist natürlich vertraulich) zu kontern. Und wenngleich der Abstand zur Aglaia recht groß erschien, blieben wir an ihr dran; selbst dann noch, als wir aus taktischen Gründen den Wunderspi gegen die ausgebaumte Genua I tauschten. Und wenngleich der Flutstrom noch kaum auflief, schmeichelte uns das GPS mit über 9,6 Knoten Topspeed ü.G. bei 5 Bft. auf tiefem Raumkurs.

Meine fixe Berechnung hatte zwar ergeben, dass wir berechnet auch dann noch vor der Aglaia landen würden, wenn sie 12 min vor uns ins Ziel käme, doch das ein schnelleres Schiff vor uns durchs Ziel geht, konnten wir mit unseren Ergeiz nicht vereinbaren. So beschlossen wir alles daran zusetzen, die Aglaia (letzter direkter Gruppenrivale) auch noch gesegelt zu schlagen.

 

An Anfang der Containerterminals waren wir endlich in Schlagdistanz. Zunächst gelang es der Aglaia durch vehementes Verteidigen ihre Position zu halten. Da wir aber deutlich schneller unterwegs waren konnten wir nach einigen geblockten Versuchen schussendlich durch einen leichten Leebogen vorbei kommen und danach deutlich wegfahren.

 

Überglücklich und stolz gingen wir nach 07:19:20 gesegelter Zeit durchs Ziel, nur etwa 1,5 Min nach der Walkabout, die verglichen mit uns mit ganzen 6 YS-Punkten weniger unterwegs war.

 

Auf der Siegerehrung war unsere Freude unbeschreiblich als wir erfuhren, wie gut wir wirklich gesegelt sind.

Der Lohn der harten, fehlerfreien Arbeit eines Spitzenteams:

 

 

und

 

 

Osterholz-Scharmbeck, den 14.05.07

Fabian Schweigel

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